Schuljahr 2020/21

Auftaktkonzerte an der Mittelschule Haar

Seit dem Schuljahr 2014/15 finden an unserer Schule jeweils im Oktober drei im wöchentlichen Abstand aufeinanderfolgende Auftaktkonzerte statt, die uns freundlicherweise durch die Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation ermöglicht werden. Auch Corona konnte uns keinen Strich durch die Rechnung machen, nachdem wir in unserer riesigen Aula sämtliche Hygienevorschriften einhalten und unser strenges Hygienekonzept hervorragend umsetzen konnten.

Zum ersten Konzert am 07. Oktober durfte ich bereits zum sechzehnten Mal den Musikdirektor und Bratschisten Herrn Johannes Erkes in der Aula unserer Schule begrüßen, der zusammen mit Georg Roters (Klavier) und Anton Roters (Violine) unsere Schülerinnen und Schüler in eine musikalische Zeitreise entführte.

Das über siebzigköpfige Publikum setzte sich aus den drei neuen fünften Klassen sowie der neu zustande gekommenen D6 zusammen.

Gleich zu Beginn des Konzerts gelang es Herrn Erkes wieder einmal mit seinem gekonnten didaktischen Gespür unsere Schülerschaft auf den 1. Satz des Kegelstatt Trios von Wolfgang Amadeus Mozart hin einzustimmen. Nur allzu gut konnte sich jeder einzelne Schüler hineinversetzen, wie wohl Mozart zu dieser wunderbaren Komposition gekommen ist.

Neben Muzio Clementis Sonate Op. 26, Nr. 2, 1. Satz, konnte unser Klavierlehrer, Herr Georg Roters, auch mit Robert Schumanns „Träumerei“ die Zuhörer in eine zutiefst konzentrierte und beruhigende Situation versetzen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr der Klang des Klavieres den Zuhörer in eine immens erstaunliche innere Konzentration und Zufriedenheit versetzt.

Mit Nicolo Paganinis „Cappriccio“ konnte Anton Roters nicht nur unsere Schüler, sondern auch uns Lehrer in eine märchenhaft anmutende, dämonische Musikwelt entführen. „Woher hat Herr Roters diese Energie, wie kann man nur so lange ein so schwieriges Stück spielen ?“, waren einige Fragen meiner Schüler nach dieser hervorragenden Interpretation.

Ein weiteres absolutes Highlight stellte für unser junges Publikum das Cembalo-Doppelkonzert, c-moll, 1. Satz, von Johann Sebastian Bach dar, welches von Anton Roters eigens zu einer Rap-Version umgearbeitet wurde. Hier wurde mit größter Präzision die Brücke von der heutigen, bei unseren Jugendlichen weit verbreiteten Musik, zur Klassik geschlagen. Jetzt ist jedem Schüler klar geworden, dass die klassische Musik die Grundlagen für neuere Musikformen geschaffen hat.

Besonders in der Nachbesprechung dieses abwechslungsreichen Konzerts zeigte sich, wie sehr unsere Schülerinnen und Schüler an „vernünftiger Musik“, wie u.a. der Kommentar eines Schülers geheißen hat, interessiert sind, wenn sie erst einmal damit in Berührung gekommen sind.

Auch das zweite Auftaktkonzert, präsentiert und durchgeführt vom Pianisten Burak Çebi, war sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für uns Lehrer ein wahrer Seelenbalsam. So konnte auch der sonst momentan eher triste Herbst einen sprichwörtlich goldenen Oktober erfahren.

Die sehr abwechslungsreichen Darbietungen, die dem König der Musikinstrumente, nämlich dem Klavier bzw. dem Flügel gewidmet wurden, haben unsere Schülerschaft in den Bann des bezaubernden, ja verzaubernden Klangs des Instruments gezogen.

Der Konzertpianist Herr Burak Çebi führte unsere Zuhörerinnen und Zuhörer sehr unterhaltsam durch sein Programm mit Klavierstücken und Fragen zum Erlernen des Klavierspielens. Seine Virtuosität zeigte er unter anderem mit seinem selbst komponierten Stück „Marcia con bravura ossia gelato di spaghetti“ und dem Walzer Op. 64 vom Romantiker Frédéric Chopin.

Bela Bartoks „Rumänische Volkstänze“ riefen bei einer nicht geringen Anzahl von begeisterten Zuhörern unwillkürlich heimatliche Gefühle hervor. Auch hier wurde wieder sehr deutlich, wie nahe sich Volksmusik und klassische Kompositionen doch in Wirklichkeit stehen.

Unsere Schülerinnen und Schüler motivierte der Pianist nicht nur durch sein gekonntes Spiel, ein Instrument zu erlernen und fleißig zu üben. Burak Çebi selbst konnte Vieles und Interessantes aus seiner eigenen Kindheit berichten, er selbst spielt seit seinem sechsten Lebensjahr, wie er dem neugierigen Publikum verriet.

Bereits zu Beginn des dritten Konzerts konnte Herr Erkes die Kinder mit der Frage, was denn der Unterschied zwischen einer „normalen“ und einer professionell ausgebildeten Gesangsstimme sei, in eine außerordentliche Neugierde versetzen. Doch des Rätsels Lösung erfuhren unsere Schülerinnen und Schüler schon kurz darauf:

Herr Roters trug in wirklich angenehmen Tönen ein paar Takte eines modernen Liedes vor, welche sogar mit einem Mikrofon verstärkt wurden. „Ja, so kennen wir Musik aus unserem Alltag“, und ähnliche Kommentare kamen aus der Schülerschaft. Nachdem nun der Bariton Herr Schütz seine raumfüllende, kräftige und wohltuende Stimme erschallen ließ, war nicht nur unseren Kindern sofort der riesige Unterschied bewusst. „Wow, so was hab ich ja noch nie gehört“ und „Mega“ konnten wir Lehrer unter anderem aus dem Publikum heraushören.

In noch nie da gewesener Bewunderung verfolgten unsere Schüler die Darbietung unseres professionellen Chorleiters und Baritons Thomas Schütz: Wolfgang Amadeus Mozarts Arie de sconte Almaviva aus seiner Oper „Le nozze di Figaro“ ließ unsere Kinder aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kommen. Besonders das aktive Miteinbeziehen von Schülern machte die Arie zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Auch Claude Debussys Preludes No. 2 und Frederic Chopins Etudes op. 25, No. 12, die vom Pianisten und unserem Klavierlehrer Georg Roters am Klavier interpretiert wurden, verzauberten unser junges Publikum.

Den krönenden Abschluss unseres achtzehnten Auftaktkonzerts bescherte uns die Interpretation von George Bizets „Toreador-Arie“. Thomas Schütz als gestandener „Stierkämpfer Escamillo“ verführte unter raffinierter Begleitung von Johannes Erkes und Georg Roters die gesamte Zuhörerschaft in eine an unserer Schule noch nie da gewesenen Welt. Auch hier schlugen die Herzen unserer Schülerinnen und Schüler wieder durch das aktive Mitmachen um ein Vielfaches höher.

Vielen herzlichen Dank an die wundervollen professionellen Interpreten und an die Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation, die uns dieses einmalige Projekt „Musik für Schüler“ an unserer Schule ermöglicht.

Günter Busta, Musikprojektleiter an der Mittelschule Haar