Unsere Geschichte

60 – Jahrfeier

Grußworte

In unserer Gemeindechronik habe ich gelesen, dass die Konradschule bei ihrer Eröffnung 1956 als eine der schönsten im Landkreis galt.

Nach sechzig Jahren und einer gelungenen Erweiterung vor knapp zehn Jahren stimmt das immer noch. Vor allem um den von der Schulfamilie selbst gestalteten Pausenhof beneiden uns wohl viele. Diese Aktion ist für mich ein schöner, bleibender Ausdruck der über viele Jahre erfolgreichen Arbeit von Schulleitung, Kollegium und Elternbeirat.

In den ersten dreizehn Jahren wurden unter dem Dach der Konradschule alle Volksschüler von der 1. bis zur 8. Klasse unterrichtet. 1969 zogen die Hauptschüler in einen neuen Gebäudetrakt um, die heutige Mittelschule. Haar ist schon länger eine kinderreiche Gemeinde. Darüber freue ich mich als Mutter und ehemalige Lehrerin besonders.

60 Jahre: Das klingt alt, werden vor allem die Kinder sagen. Im Herzen ist die Konradschule aber jung geblieben und das liegt vor allem an engagierten Rektoren und Lehrern, die für neue Unterrichts- und Betreuungsformen immer aufgeschlossen waren: Ob Mittagsbetreuung, Ganztagsklassen, Grundschul-Kolleg, Ü-Klassen, Zirkusprojekte, Motivationstrainings, M-Zweig oder Kooperationen mit Jugendzentren – die beiden Konradschulen sind pädagogisch am Puls der Zeit.

Im Namen der Gemeinde gratuliere ich herzlich zum Schul-Geburtstag und wünsche allen Kindern, Eltern, Schulleiterinnen, Lehrkräften, Hausmeistern und Sekretärinnen ein fröhliches Fest, bei dem Väter, Mütter, Opas und Omas sich liebevoll und augenzwinkernd an eigene Schulerlebnisse und Lehrer erinnern werden.

60 Jahre Konradschule bergen ganz bestimmt viele Geschichten. Wie schön, dass wir zusammenkommen und einige davon hören werden.

Ihre

Gabriele Müller

Liebe Besucher der Grundschule und der Mittelschule in Haar,                                  

Eins zwei drei, im Sauseschritt
Läuft die Zeit; wir laufen mit.

nach Wilhelm Busch

 

 

Christa Beyer, Rektorin MS                                                                                                                                             Andrea Zran, Rektorin GS

Wir laufen wohl mit, allerdings bringt der Lauf der Zeit auch immer viele Veränderungen mit sich.

Vor 60 Jahren im Schuljahr 1955/56 durften die ersten Klassen in das neue und schönste Schulhaus weit und breit einziehen, froh darüber endlich ausreichend Platz zu haben und in viel kleineren Klassen zu sitzen. Aber nichts ist endgültig. Im Laufe der Jahrzehnte wurde bei der Hauptschule, wie sie damals noch hieß, angebaut und bei der Grundschule aufgestockt, denn die Schülerzahlen erforderten es. Unsere Gemeinde – ein Lob ist an dieser Stelle angebracht – tut immer sehr viel für die Bildungslandschaft ihrer Bürger. Trotz alledem wird es schon wieder eng.

Wir freuen uns sehr auf viele Ehemalige der beiden Schulen! Gehen Sie auf Entdeckungsreise, finden ‚Altes‘ wieder und lassen Sie sich durch Neues überraschen.

Wie alles begann…

Vor der Einführung der allgemeinen Schulpflicht 1802 besuchten die Ottendichler und Salmdorfer Kinder die Klausnerschule in St. Emmeran bei Feldkirchen, die Haarer und Gronsdorfer mussten in die Schule St. Veit bei Baumkirchen (Berg am Laim) oder gingen in eine Winkelschule nach Trudering.

Dem langen Schulweg und den Streitereien ums Schulgeld geschuldet, entstanden schließlich Schulen in Kirchtrudering.

Doch die Kinder aus Haar dorthin zu schicken, war auf Dauer keine Lösung. Durch die Eröffnung der Heilanstalt im Jahr 1905 stiegen die Schülerzahlen hier am Ort stark an.

Es war an der Zeit, dass Haar eine Schule bekam. Josef Stadler, der damals nicht nur Bürgermeister, sondern auch Gastwirt war, stellte deshalb für die 72 Schulkinder aus Haar und Gronsdorf seinen Tanzsaal zur Verfügung. Die Klassen 1. bis 7. Klasse wurden dort in einem Raum unterrichtet.

Gleichzeitig suchte man nach einem geeigneten Grund für den dringend nötigen Schulbau. Da die Gronsdorfer zu dieser Zeit die Stimmenmehrheit besaßen, wurde ein zentrales Haarer Grundstück zunächst abgelehnt und ein Schulstandort zwischen Haar und Gronsdorf beschlossen. Letztendlich baute man die erste Haarer Schule dann aber doch auf dem hiesigen Kirchplatz.

Am 15. September 1910 konnte das Haarer Schulhaus bezogen werden. Es kamen damals 66 Werktags- und 6 Sonntagsschüler. Die „alte Schule“ steht bis heute.  1972 wurde darin der Seniorenclub untergebracht – und seit 2014 ist dort auch die Mittagsbetreuung der Grundschule St. Konrad beheimatet.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten zu Beginn der 1930er brachten große Veränderungen in den Schulalltag. Die Lehrpläne wurden geändert und aufgrund des Kohlemangels gab es vor allem im Winter häufig schulfrei. Die Oberklassen mussten beim Bau eines Luftschutzbunkers helfen. Man brauchte die Kinder beim Flachsjäten, dem Betreuen der Maulbeerbäume im Schulgarten und Holen von Sammelgut wie Altglas oder Schrott. Außerdem hatten sie in einer Großaktion 650 Tagwerk nach Kartoffelkäfern absuchen. Man ging damals davon aus, dass der Feind diese Schädlinge vom Flugzeug abgeworfen hätte, um die Ernte zu vernichten. Tatsächlich fand keines der Schulkinder nur einen einzigen Kartoffelkäfer auf den Feldern. 1944 war an geregelten Schulunterricht überhaupt nicht mehr zu denken. Weil die Schulen in München wegen der Luftangriffe schlossen, kamen diese Schüler in den Landkreis – auch nach Haar. Jetzt sollten hier plötzlich 338 Kinder unterrichtet werden. Als 1945 zudem die Heizkohle zu Ende ging, kamen die Kinder nur noch zweimal in der Woche, ließen ihre Hausaufgaben überprüfen und gingen mit neuen Aufgaben wieder heim. Am 29. April 1945 wurde die Schule als Gefechtsstand vereinnahmt. Doch die deutschen Truppen zogen nie ein, denn bereits am 1. Mai kamen die Amerikaner nach Haar.

Der Schulbetrieb wurde am 2. Oktober 1945 wieder aufgenommen. Und bald war klar, das alte Schulhaus reichte einfach nicht mehr aus. Aufgrund der vielen Flüchtlingskinder, die mit ihren Eltern nach Haar kamen, wurden zu diesem Zeitpunkt jährlich bis zu 470 Kinder unterrichtet.

Die Amerikaner räumten 1947 das HJ-Jugendheim an der Friedrich-Ebert-Straße. Dort konnte man daraufhin fünf Klassen unterbringen.

Der Kopfbau rechts war eine Eingangshalle mit einer großen breiten Marmortreppe. Sie wurde abgerissen und das neue Schulhaus angebaut. Das restliche Heimgebäude blieb erhalten. Darin sind neben dem Sekretariat und dem Lehrerzimmer nun auch einige Klassenzimmer untergebracht.

Erstmals hatte jede Klasse ein eigenes Zimmer – damit entfiel endlich der mühsame „Schichtunterricht“ und auch die Klassengröße konnte reduziert werden: Ab diesem Zeitpunkt saßen durchschnittlich 40 Kinder in einer Klasse. Vorher unterrichteten die Lehrer bis zu 85 Kinder in einer Jahrgangsstufe.

Das Schulgebäude galt damals als das schönste im Landkreis und lockte viele interessierte Bürger an.

Reihe hinten v.l.
Pfarrer Peter Leyerer, Pfarrer Pürkhauer, Lehrer Konrad Schneid, Schulrat Wilfried Mölle, Rektor Dr. Fritz Fischer

Reihe vorne v.l.
Lehrerin Elisabeth Langgärtner, Lehrerin Katharina Eberhard, Bürgermeister Pinsel, Lehrerin Frl. Glaser (Fr. Rödig), Lehrerin Fr. Heinhold, Lehrer Rödig Sepp, Lehrer Meisel

                                                                                                               

In der alten Schule wurde noch bis 1955 unterrichtet – der erste Jahrgang in der neuen Volksschule startete 1955/56.

Schon nach 12 Jahren war das Schulgebäude zu klein, denn in Haar wurden weiter fleißig Wohnblöcke gebaut. Eine Klasse musste schließlich nach Ottendichl ausgelagert werden, eine andere Klasse wurde in der Jugendfreizeitstätte an der Vockestraße untergebracht. Der Handarbeitsunterricht fand in der Unterkirche von St. Konrad statt.

Darum begann die Gemeinde 1968 mit dem Bau eines neuen Schulgebäudes – einem großzügigen Anbau an die bestehende Volksschule. Zusätzliche 14 Schulzimmer sollten entstehen, Kurs- und Werkräume, eine Turnhalle und Schwimm-halle.

Entsprechend einer Bildungsreform wurde jetzt nach Grund- und Hauptschule unterschieden.

In den Neubau an der Konradstraße zog schließlich die Hauptschule ein.

Seit dem Schuljahr 1969/70 gehen auch die Kinder aus Ottendichl und Salmdorf nach Haar.

Ende der 90er wurde das Schulzentrum St. Konrad erweitert und saniert. Durch geschickte Umbaumaßnahmen konnte die Nutzfläche im Inneren um 75 Prozent erweitert werden. Insgesamt entstanden 12 neue Klassenzimmer in Grund- und Hauptschule, zwei Computerräume, zwei Schulküchen, je zwei Werk- und Hand-arbeitsräume und ein neues Schülercafé. Die Turnhallen und Außensportanlage glänzten in frischsaniertem Zustand. Der Pausenhof wurde neugestaltet, defekte Innenausstattung ersetzt, das leckende Flachdach geflickt. Die alte Turnhalle wurde für die Volkshochschule saniert, die hier ein Gesundheitszentrum eröffnen wollte. Außerdem wurde eine zehn Meter hohe Kletterwand an der Hausfront installiert.

Bald darauf war die Schule wieder zu klein. Die Gemeinde ging daraufhin das nervenaufreibende Wagnis ein, den Altbau der Schule zu untergraben, um durch die Absenkung des Kellers weitere drei vollwertige Räume zu erschaffen.

Die nächste Erweiterung folgte bereits 2005. Es sollte Platz geschaffen werden für die Ganztagesbetreuung und zwar sowohl für die Grund-, als auch für die Haupt-schule. Dafür musste der alte Lehrerparkplatz weichen, eine geräumige Tiefgarage bietet seitdem Platz für die Fahrzeuge.

Auf einer Geschossfläche von etwa 1.300 Quadratmetern entstand so Platz für eine Küche, einen Speisesaal, Räume für naturwissenschaftliche Experimente, eine Bib-liothek, Werk- und Bastel- sowie Hausaufgabenräume, ein Sport- und Bewegungs-zimmer, Duschen und einiges mehr. Im alten Grundschulgebäude wurde zudem das Dachgeschoss ausgebaut.

Nach Jahren der Planung und Baustelle konnte schließlich 2009 der An- und Umbau der Konradschulen feierlich gewürdigt werden.

Im Schuljahr 2014/15 fiel dann der Startschuss für die nächste (Mitmach-)baustelle. Mit Hilfe der Grundschüler sollte ein Natur-Erlebnis-Schulhof entstehen!

Viele abenteuerliche Tunnels, windschiefe Häuschen, ein riesiger König auf dessen Schoß man sitzen kann, eine große freundliche Schildkröte, Wasserpumpe, verwinkelte Wege, Glitzersteinchen überall, Rutsche und Schaukel, Kletter- und Balanciergerüste, kleine Höhlen zum Verstecken und außen rum wundervolle Natur. Was sich anhört wie die Beschreibung eines Traumspielplatzes ist in Haar Realität geworden – und zwar als Pausenhof!